Reiki spüren
Warum manche Menschen bei Reiki nichts spüren
Einleitung
Viele Menschen berichten nach einer Reiki-Anwendung von Wärme, Entspannung oder einem Gefühl innerer Ruhe. Ebenso häufig gibt es jedoch Berichte von Menschen, die während oder nach einer Anwendung nichts Besonderes wahrnehmen. Keine Wärme, keine Veränderung, kein spürbarer Effekt. Diese Erfahrung wird von Betroffenen nicht selten als irritierend oder enttäuschend erlebt.
Dabei ist das Ausbleiben spürbarer Empfindungen weder ungewöhnlich noch ein Hinweis darauf, dass „etwas nicht funktioniert hat“. Aus psychologischer Sicht lässt sich gut erklären, warum Reiki sehr unterschiedlich erlebt wird – und warum gerade das Nicht-Spüren ein häufiges, normales Phänomen ist.
Der folgende Artikel ordnet diese Unterschiede ein, ohne sie zu bewerten. Er erklärt, warum Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und individuelle Voraussetzungen eine zentrale Rolle spielen – und weshalb fehlende Empfindungen keine Aussage über den „Wert“ oder die Sinnhaftigkeit der Methode zulassen.
Wahrnehmung ist kein objektiver Messfühler
Körperliche Wahrnehmung funktioniert nicht wie ein Messinstrument, das bei allen Menschen dieselben Signale in gleicher Stärke anzeigt. Sie ist ein subjektiver Prozess, der stark davon abhängt, wie Aufmerksamkeit verteilt ist, welche Erfahrungen jemand mit dem eigenen Körper gemacht hat und wie sensibel innere Signale registriert werden. Wahrnehmung entsteht nicht direkt aus dem Körper, sondern wird im Gehirn konstruiert – aus Sinnesreizen, Vorerfahrungen und situativen Erwartungen.
Neurowissenschaftlich betrachtet filtert das Gehirn kontinuierlich Informationen. Nicht jedes Signal, das im Körper entsteht, wird bewusst verarbeitet. Ein Großteil körperlicher Regulation läuft automatisch ab, ohne jemals ins Bewusstsein zu gelangen. Bewusste Wahrnehmung ist daher immer selektiv. Sie zeigt nicht, was passiert, sondern nur, was als relevant eingestuft wird.
Manche Menschen nehmen bereits geringe Veränderungen von Muskelspannung, Atmung oder Temperatur wahr. Andere registrieren solche Veränderungen kaum oder erst sehr spät. Diese Unterschiede sind stabil, individuell und weitgehend unabhängig von äußeren Reizen. Sie hängen unter anderem mit Lernerfahrungen zusammen: Wer früh gelernt hat, auf den eigenen Körper zu achten, entwickelt meist eine feinere Wahrnehmung als jemand, der körperliche Signale über Jahre hinweg ignorieren oder übergehen musste.
Auch psychische Faktoren spielen eine Rolle. Menschen mit hoher kognitiver Aktivität – etwa starkem Grübeln, innerem Dialog oder hoher Selbstbeobachtung – sind häufig stärker im Denken als im Spüren verankert. Die Aufmerksamkeit ist dann primär im Kopf gebunden. Körperliche Prozesse laufen weiter, erreichen jedoch nicht die Schwelle bewusster Wahrnehmung.
Wer wenig spürt, reagiert daher nicht „falsch“, sondern schlicht anders. Das Nervensystem verarbeitet Reize trotzdem – nur ohne bewusste Rückmeldung. Ausbleibende Empfindungen sagen nichts darüber aus, ob Regulation stattfindet, sondern nur darüber, wie das individuelle Wahrnehmungssystem arbeitet. Reiki wird dadurch nicht „wirkungslos“, sondern trifft auf ein Wahrnehmungsmodell, das weniger Rückmeldung liefert.
Diese Unterscheidung ist zentral, um Missverständnisse zu vermeiden. Wahrnehmung ist kein Beweisverfahren. Sie ist ein subjektiver Ausschnitt innerer Prozesse – und damit kein verlässlicher Maßstab für Wirkung oder Nicht-Wirkung.

Der Einfluss von Aufmerksamkeit und Erwartung
Aufmerksamkeit entscheidet maßgeblich darüber, welche inneren Prozesse überhaupt wahrgenommen werden. Sie wirkt wie ein Scheinwerfer: Was sie beleuchtet, tritt ins Bewusstsein, alles andere bleibt im Hintergrund. Unter Stress ist dieser Scheinwerfer meist nach außen gerichtet – auf Aufgaben, Probleme, Risiken oder gedankliche Schleifen. Der Körper funktioniert in diesem Zustand, wird aber kaum gespürt.
Während einer Reiki-Anwendung verändert sich dieser Aufmerksamkeitsfokus nicht automatisch. Anders als bei angeleiteten Verfahren gibt es keine explizite Aufforderung, nach innen zu gehen oder bestimmte Empfindungen zu beobachten. Bleibt die Aufmerksamkeit überwiegend kognitiv oder nach außen orientiert, können körperliche Veränderungen stattfinden, ohne bewusst registriert zu werden.
Erwartungen verstärken diesen Effekt. Wer mit der Vorstellung in eine Anwendung geht, etwas Bestimmtes spüren zu müssen – etwa Wärme, Kribbeln oder Entspannung –, richtet die Aufmerksamkeit gezielt auf diese Signale. Bleiben sie aus, entsteht schnell der Eindruck, dass „nichts passiert“. Dabei wird übersehen, dass Erwartungen nicht nur Wahrnehmung lenken, sondern sie auch begrenzen: Alles, was nicht dem Erwartungsbild entspricht, wird ausgeblendet.
Psychologisch betrachtet wirken Erwartungen als Filter. Sie beeinflussen, welche Signale Bedeutung erhalten und welche als irrelevant eingestuft werden. Dieser Mechanismus ist unbewusst und greift sehr früh. Er erklärt, warum zwei Menschen in derselben Situation völlig unterschiedliche Dinge wahrnehmen – oder eben nichts.
Hinzu kommt, dass Aufmerksamkeit Energie bindet. Wer innerlich stark beobachtet, bewertet oder kontrolliert, hält das Nervensystem in einem aktiven Zustand. Gerade bei Menschen mit hohem Leistungsanspruch oder Kontrollbedürfnis kann diese Form der Selbstbeobachtung Entspannung verhindern. Der Körper bleibt in Bereitschaft, statt in Regulation zu gehen.
Das Ausbleiben bewusster Empfindungen ist daher häufig kein Zeichen fehlender Wirkung, sondern ein Hinweis darauf, dass Aufmerksamkeit und Erwartung in einer Weise organisiert sind, die wenig Raum für Wahrnehmung lässt. Reiki verändert diese Muster nicht aktiv, sondern setzt voraus, dass sie sich von selbst lockern. Ob das geschieht, ist individuell unterschiedlich.
Diese Zusammenhänge zeigen, warum „Nichts spüren“ kein objektives Ergebnis ist, sondern ein Erleben unter bestimmten Aufmerksamkeitsbedingungen. Erst wenn diese Bedingungen verstanden werden, lässt sich das eigene Erleben realistisch einordnen – ohne vorschnelle Schlussfolgerungen.
Körperwahrnehmung ist erlernt – und oft verlernt
Die Fähigkeit, innere Körpersignale wahrzunehmen, ist kein angeborener Reflex, sondern eine erlernte Kompetenz. Sie entwickelt sich im Laufe des Lebens durch wiederholte Aufmerksamkeit auf körperliche Zustände und durch den Umgang mit ihnen. Wer früh erlebt hat, dass körperliche Signale ernst genommen werden dürfen, entwickelt meist eine feinere Wahrnehmung als jemand, der gelernt hat, sie zu ignorieren oder zu übergehen.
In vielen Lebenskontexten wird Körperwahrnehmung jedoch systematisch verdrängt. Leistungsdruck, Zeitknappheit und soziale Erwartungen fördern eine Haltung, in der der Körper vor allem funktionieren soll. Müdigkeit wird überspielt, Spannung ausgehalten, innere Warnsignale werden rationalisiert. Über Jahre hinweg kann sich so eine Distanz zum eigenen Körper entwickeln, die nicht bewusst entschieden, sondern adaptiv erlernt wurde.
Psychologisch wird dieser Prozess als Abschwächung der Interozeption beschrieben. Interozeption bezeichnet die Wahrnehmung innerer Zustände wie Herzschlag, Atmung, Muskelspannung oder Erschöpfung. Unter chronischem Stress oder dauerhafter Selbstüberforderung nimmt diese Wahrnehmungsfähigkeit häufig ab. Der Körper meldet sich weiterhin, doch die Signale erreichen das Bewusstsein kaum noch.
In diesem Kontext ist es wenig überraschend, wenn während einer Reiki-Anwendung zunächst keine Empfindungen auftreten. Es fehlt nicht an Wirkung, sondern an Zugang. Wahrnehmung lässt sich nicht erzwingen; sie kehrt meist nur dann zurück, wenn Druck und Erwartung sinken. Gerade deshalb kann das „Nicht-Spüren“ am Anfang Teil eines längeren Regulationsprozesses sein.
Hinzu kommt, dass Körperwahrnehmung oft nur in Extremen gelernt wurde. Viele Menschen nehmen ihren Körper erst dann wahr, wenn etwas weh tut, stark belastet oder nicht mehr funktioniert. Subtile Zustände – leichte Entspannung, minimale Spannungsabnahme, veränderte Atmung – bleiben unbemerkt. Reiki bewegt sich jedoch häufig genau in diesem subtilen Bereich.
Wichtig ist auch, dass verlernte Wahrnehmung nichts über mangelnde Offenheit oder fehlende Fähigkeit aussagt. Sie ist das Ergebnis von Anpassung. Wer lange gelernt hat, über den Körper hinweg zu funktionieren, braucht Zeit, um wieder differenzierter zu spüren. Reiki kann hierfür einen Rahmen bieten, garantiert aber keinen schnellen Zugang.
Diese Perspektive hilft, das eigene Erleben realistisch einzuordnen. Nicht jede fehlende Empfindung ist ein Zeichen von Wirkungslosigkeit. Manchmal zeigt sie lediglich, wie stark Körperwahrnehmung im Alltag zurückgedrängt wurde – und wie ungewohnt es ist, ihr wieder Raum zu geben.
Passivität kann Irritation auslösen
Ein weiterer Grund dafür, dass manche Menschen bei Reiki nichts spüren, liegt in der passiven Struktur der Methode. Reiki verlangt keine aktive Mitarbeit. Es gibt nichts zu tun, nichts zu steuern und nichts zu optimieren. Was zunächst entlastend klingt, kann für bestimmte Menschen irritierend oder sogar unangenehm sein.
Viele sind daran gewöhnt, innere Zustände aktiv zu beeinflussen. Entspannung wird dann als etwas verstanden, das hergestellt werden muss: durch Atemtechniken, mentale Übungen oder bewusste Kontrolle. Dieses aktive Herangehen vermittelt Sicherheit, weil es Handlungsmöglichkeiten bietet. Fällt diese Aktivität weg, entsteht mitunter ein Gefühl von Leere oder Kontrollverlust.
Psychologisch betrachtet ist Passivität jedoch kein neutraler Zustand. Für Menschen mit hohem Kontrollbedürfnis oder starker Selbststeuerung kann sie innere Alarmreaktionen auslösen. Das Nervensystem bleibt wachsam, statt herunterzufahren. Statt Entspannung stellt sich Neutralität, innere Distanz oder leichte Unruhe ein.
Hinzu kommt, dass Passivität wenig Raum für Ablenkung lässt. Gedanken, die im Alltag durch Aktivität überdeckt werden, treten deutlicher hervor. Wer stark im Denken verankert ist, erlebt dies nicht selten als unangenehm. Die Aufmerksamkeit bleibt im Kopf, während der Körper kaum wahrgenommen wird. Auch hier finden Prozesse statt, ohne bewusst registriert zu werden.
Ein weiterer Aspekt ist die fehlende Rückmeldung. In aktiven Verfahren gibt es klare Marker: Atem wird ruhiger, Muskeln entspannen sich bewusst, Gedanken verlangsamen sich. Reiki bietet solche Marker nicht. Für Menschen, die Orientierung über sichtbare oder spürbare Veränderungen brauchen, kann das als „Nichts passiert“ interpretiert werden.
Dabei ist genau diese Passivität für andere der zentrale Wirkfaktor. Sie nimmt den inneren Druck heraus, etwas richtig machen zu müssen. Ob Passivität entlastend oder irritierend wirkt, hängt daher weniger von der Methode als von der individuellen Stressorganisation ab.
Das Ausbleiben von Empfindungen ist in diesem Zusammenhang kein Zeichen von Blockade, sondern ein Hinweis darauf, dass aktive Regulationsmuster noch dominieren. Diese Muster lösen sich nicht automatisch, sondern benötigen Zeit, Sicherheit und Wiederholung. Reiki kann diesen Raum bieten – muss es aber nicht.

Entspannung ist nicht immer spürbar
Entspannung wird häufig mit deutlichen Körperempfindungen gleichgesetzt. Wärme, Schwere oder ein Gefühl des Loslassens gelten dabei als Beleg dafür, dass sich etwas verändert. Tatsächlich verlaufen viele Regulationsprozesse jedoch unterhalb der bewussten Wahrnehmungsschwelle. Sie sind wirksam, ohne sich deutlich anzukündigen.
Das autonome Nervensystem reguliert Herzfrequenz, Atmung, Muskeltonus und hormonelle Prozesse größtenteils automatisch. Kleine Veränderungen in diesen Bereichen müssen nicht bewusst wahrgenommen werden, um Wirkung zu entfalten. Eine leicht vertiefte Atmung oder eine minimale Reduktion innerer Spannung kann ausreichen, um langfristig Entlastung zu ermöglichen – ohne dass dies als „Erlebnis“ registriert wird.
Hinzu kommt, dass Wahrnehmung stark von Kontrasten lebt. Wer aus einem Zustand hoher Anspannung kommt, bemerkt Veränderungen eher als jemand, der bereits auf einem moderaten Spannungsniveau liegt. In letzterem Fall können sich Regulationsprozesse vollziehen, ohne dass sie subjektiv auffallen. Das Fehlen spürbarer Effekte bedeutet dann nicht, dass nichts geschieht, sondern dass die Veränderung subtil bleibt.
Auch zeitliche Verzögerungen spielen eine Rolle. Entspannung zeigt sich nicht immer während der Anwendung selbst. Manche Menschen berichten erst Stunden oder Tage später von besserem Schlaf, geringerer Reizbarkeit oder einem ruhigeren Grundzustand. Diese Effekte werden häufig nicht mehr mit der Anwendung in Verbindung gebracht, weil sie nicht unmittelbar auftreten.
Psychologisch problematisch wird es, wenn Entspannung nur dann als „gültig“ betrachtet wird, wenn sie sofort spürbar ist. Diese Erwartung setzt das Nervensystem unter Druck und kann Regulationsprozesse sogar blockieren. Der Körper reagiert sensibel auf Bewertung und Kontrolle. Je stärker geprüft wird, ob etwas passiert, desto schwerer fällt es, Veränderungen zuzulassen.
Wichtig ist daher die Unterscheidung zwischen Erleben und Wirkung. Erleben beschreibt das, was bewusst wahrgenommen wird. Wirkung bezieht sich auf Prozesse, die im Hintergrund ablaufen. Beide fallen nicht zwangsläufig zusammen. Reiki kann Wirkung entfalten, ohne Erleben zu erzeugen – und umgekehrt.
Diese Perspektive hilft, fehlende Empfindungen nicht vorschnell als Misserfolg zu interpretieren. Entspannung ist kein Ereignis, das sich beweisen muss, sondern ein Prozess, der sich oft leise vollzieht.

Warum Vergleiche in die Irre führen
Vergleiche mit den Erfahrungen anderer Menschen prägen Erwartungen stärker, als vielen bewusst ist. Berichte über intensive Empfindungen, emotionale Reaktionen oder spürbare Veränderungen erzeugen ein implizites Normbild dessen, was „passieren sollte“. Wer selbst nichts Vergleichbares erlebt, interpretiert das eigene Erleben schnell als Abweichung oder Mangel.
Psychologisch betrachtet sind solche Vergleiche problematisch, weil Wahrnehmung nicht standardisiert ist. Jeder Mensch bringt ein eigenes Wahrnehmungsprofil mit: unterschiedliche Sensitivität, unterschiedliche Aufmerksamkeit, unterschiedliche Lerngeschichte. Was für eine Person intensiv spürbar ist, kann für eine andere vollkommen neutral bleiben, ohne dass dies Rückschlüsse auf Wirksamkeit oder Eignung zulässt.
Hinzu kommt der soziale Effekt von selektiver Sichtbarkeit. Menschen berichten bevorzugt von besonderen oder eindrücklichen Erfahrungen. Neutrale oder unspektakuläre Verläufe werden seltener geteilt. Dadurch entsteht ein verzerrtes Bild, in dem intensive Reaktionen überrepräsentiert sind. Dieses Bild verstärkt den Druck, selbst etwas erleben zu müssen.
Vergleiche lenken die Aufmerksamkeit zudem nach außen. Statt das eigene Erleben wahrzunehmen, wird es an fremden Maßstäben gemessen. Diese Form der Selbstbeobachtung aktiviert Bewertung und Kontrolle – zwei Faktoren, die Entspannung erschweren. Der Fokus liegt dann weniger auf dem, was tatsächlich geschieht, als auf dem, was fehlen könnte.
Ein weiterer Aspekt ist die Narrativbildung. Erfahrungen werden im Nachhinein oft zu kohärenten Geschichten geformt. Was zunächst diffus oder unscheinbar war, erhält im Erzählen Bedeutung und Struktur. Diese narrative Verdichtung verstärkt den Eindruck von Klarheit und Intensität, auch wenn das ursprüngliche Erleben komplexer oder uneindeutiger war.
Für die eigene Einordnung ist daher Zurückhaltung sinnvoll. Das Erleben anderer liefert keine verlässliche Referenz. Reiki ist kein Verfahren mit normierten Effekten, sondern ein Rahmen, in dem individuelle Reaktionen möglich sind. Vergleiche erzeugen Erwartungen, die das eigene Wahrnehmen verzerren können.
Eine realistische Haltung besteht darin, das eigene Erleben nicht zu bewerten, sondern als individuelle Rückmeldung zu betrachten. Ob intensiv, subtil oder neutral – jede Reaktion ist Ausdruck eines spezifischen Zusammenspiels von Körper, Aufmerksamkeit und Kontext. Erst ohne Vergleichsdruck kann dieses Zusammenspiel angemessen verstanden werden.
Grenzen der Methode
So nachvollziehbar die unterschiedlichen Wahrnehmungen bei Reiki aus psychologischer Sicht sind, ebenso klar sind die Grenzen der Methode. Reiki ist kein Diagnoseinstrument und kein Verfahren, das gezielt innere Zustände herstellt oder überprüfbar verändert. Weder das Spüren noch das Nicht-Spüren erlaubt Rückschlüsse auf psychische Gesundheit, Offenheit oder persönliche Entwicklung.
Ein zentraler Punkt ist, dass Reiki nicht aktiv in Ursachen eingreift. Stress, innere Anspannung oder emotionale Belastungen entstehen meist aus komplexen Wechselwirkungen von Lebensumständen, inneren Mustern und biografischen Erfahrungen. Reiki kann einen Rahmen schaffen, in dem der Körper zeitweise zur Ruhe kommt, verändert jedoch weder äußere Bedingungen noch innere Konfliktstrukturen.
Auch bei psychischen Belastungen stößt die Methode an klare Grenzen. Zustände wie Angststörungen, depressive Episoden oder traumabezogene Symptome erfordern professionelle Diagnostik und Behandlung. Reiki kann in solchen Fällen allenfalls begleitend als ruhiger Kontext erlebt werden. Es ersetzt weder psychotherapeutische noch medizinische Interventionen. Wird diese Abgrenzung nicht beachtet, besteht die Gefahr, notwendige Hilfe hinauszuzögern.
Ein weiterer Grenzbereich betrifft die Selbstverantwortung. Reiki nimmt dem Menschen keine Entscheidungen ab. Wer dauerhaft nichts spürt und darunter leidet, sollte dies nicht als persönliches Defizit interpretieren, sondern als Hinweis darauf, dass diese Methode möglicherweise nicht zum eigenen Regulationstyp passt. Nicht jede Form der Entlastung funktioniert für jeden Menschen gleich gut.
Auch die Erwartung, Reiki müsse zwangsläufig etwas Erlebbares erzeugen, gehört zu diesen Grenzen. Die Methode verspricht keine Effekte und liefert keine Kriterien, an denen Erfolg gemessen werden könnte. Gerade darin liegt für manche ein Wert, für andere jedoch eine Leerstelle. Beides ist legitim.
Eine sachliche Einordnung schützt davor, Reiki zu überhöhen oder abzuwerten. Es ist weder ein universelles Werkzeug noch ein wirkungsloses Ritual. Es ist ein begrenzter Rahmen, der unter bestimmten Bedingungen als unterstützend erlebt werden kann – und unter anderen nicht.

Fazit
Die hier dargestellten Zusammenhänge beruhen nicht auf einer individuellen fachlichen Bewertung des Autors, sondern auf etablierten Erkenntnissen aus Psychologie und Wahrnehmungsforschung. Der Artikel fasst bestehende wissenschaftliche Modelle und Erklärungsansätze zusammen, ohne daraus diagnostische oder therapeutische Schlussfolgerungen abzuleiten.
Dass manche Menschen bei Reiki nichts spüren, ist aus psychologischer Sicht weder ungewöhnlich noch problematisch. Wahrnehmung ist kein objektives Messinstrument, sondern ein subjektiver Prozess, der von Aufmerksamkeit, Erwartung, Lernerfahrungen und individueller Stressorganisation geprägt ist. Das Ausbleiben bewusster Empfindungen sagt daher wenig über Wirkung oder Nicht-Wirkung aus.
Reiki entfaltet keinen standardisierten Effekt, sondern stellt einen Rahmen bereit, in dem unterschiedliche Reaktionen möglich sind. Für manche entsteht Entlastung durch spürbare Veränderungen, für andere bleibt das Erleben neutral oder subtil. Beide Reaktionen sind Ausdruck desselben Prinzips: Der Körper reguliert sich individuell, nicht nach vorgegebenen Mustern.
Problematisch wird es erst dann, wenn Spüren als Maßstab für Erfolg verstanden wird. Diese Erwartung erzeugt Druck und verzerrt Wahrnehmung. Eine realistische Einordnung hilft, das eigene Erleben ohne Vergleich und ohne Selbstabwertung zu betrachten.
Reiki ist weder ein Beweisverfahren noch ein Leistungsangebot. Es kann für einige Menschen unterstützend sein, für andere keine relevante Rolle spielen. Diese Begrenzung anzuerkennen, ist keine Schwäche, sondern Voraussetzung für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Methode.
FAQ – Häufige Fragen dazu, warum manche Menschen bei Reiki nichts spüren
Warum spüre ich bei Reiki gar nichts?
Nicht jeder Mensch nimmt körperliche Veränderungen bewusst wahr. Viele Regulationsprozesse laufen unterhalb der Wahrnehmungsschwelle ab. Das bedeutet nicht, dass nichts geschieht, sondern dass Veränderungen nicht als Empfindung registriert werden.
Heißt das, Reiki wirkt bei mir nicht?
Nein. Spüren ist kein verlässlicher Indikator für Wirkung. Reiki kann Prozesse begleiten, ohne dass sie bewusst erlebt werden. Umgekehrt können Empfindungen auftreten, ohne dass nachhaltige Effekte entstehen.
Liegt es an mangelnder Offenheit?
Nein. Wahrnehmung hängt weniger von Offenheit als von erlernten Aufmerksamkeitsmustern und Körperzugang ab. Wer lange gelernt hat, körperliche Signale zu übergehen, spürt oft weniger – unabhängig von Einstellung oder Motivation.
Warum berichten andere von starken Empfindungen?
Menschen unterscheiden sich stark in Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Ausdruck. Zudem werden intensive Erfahrungen häufiger geteilt als neutrale. Das erzeugt ein verzerrtes Bild dessen, was „typisch“ ist.
Kann man Körperwahrnehmung lernen?
Ja. Körperwahrnehmung ist trainierbar, lässt sich jedoch nicht erzwingen. Sie entwickelt sich meist dann, wenn Druck und Erwartung sinken und der Körper wieder als relevante Informationsquelle zugelassen wird.
Ist es besser, aktiv zu entspannen statt Reiki zu nutzen?
Das hängt vom individuellen Regulationstyp ab. Manche Menschen profitieren von aktiven Verfahren, andere von passiven. Reiki ist kein universelles Werkzeug und muss nicht für jeden passend sein.
Kann Reiki schaden, wenn man nichts spürt?
Nein. Solange keine Heilversprechen gemacht werden und notwendige medizinische oder psychotherapeutische Hilfe nicht ersetzt wird, gilt Reiki als risikoarm. Das Ausbleiben von Empfindungen ist kein negativer Effekt.
Sollte man Reiki wiederholen, wenn man nichts spürt?
Das ist eine persönliche Entscheidung. Wiederholungen können hilfreich sein, müssen es aber nicht. Wichtig ist, keine Erwartungshaltung aufzubauen, die Druck erzeugt oder Selbstzweifel verstärkt.
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