Minh họa phong cách phẳng, khổ ngang: Một người che chắn bằng chiếc ô trước mây giông và sóng lớn. Hình ảnh biểu tượng cho khả năng tự điều chỉnh cảm xúc trong Borderline.

Skills bei Borderline

Selbstregulierung bei Borderline: Skills, die dich durch starke Gefühle bringen

Einleitung

Bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) fühlen sich Emotionen oft extrem an: kleinste Auslöser, steile Anstiege, ein innerer Sturm – und danach das Gefühl, kaum wieder zu Ruhe zu kommen. „Einfach ruhig bleiben“ funktioniert selten. Gute Nachricht: Selbstregulierung ist trainierbar. Mit praxistauglichen DBT-Skills (Dialektisch-Behaviorale Therapie) kannst du akute Hochspannung senken, Gefühle besser steuern und Rückfälle schneller abfangen. Diese Anleitung zeigt dir konkrete Schritte für den Alltag – verständlich, machbar, wirksam.

Lies auch: Stilles Borderline – verstehen, leben, wachsen


Warum Selbstregulierung bei Borderline schwer fällt

Viele Menschen mit Borderline fragen sich: „Warum bin ich so? Warum explodiere oder implodiere ich bei Dingen, die andere locker wegstecken?“ Die Antwort liegt nicht in Schwäche, sondern in einer besonderen biologischen und psychologischen Ausstattung.

1. Neurobiologie: Das Gehirn im Dauer-Alarm

Studien zeigen, dass bei Borderline die Amygdala, das Angst- und Stresszentrum im Gehirn, besonders schnell anspringt. Gleichzeitig arbeitet der präfrontale Kortex, der für rationales Abwägen zuständig ist, oft verzögert. Ergebnis: Emotionen werden blitzschnell ausgelöst, aber langsamer beruhigt. Für Betroffene fühlt sich das an, als würden sie ständig „auf 180“ sein, während andere noch gelassen wirken.

2. Trauma und frühe Erfahrungen

Viele Betroffene berichten von Kindheitserfahrungen mit Vernachlässigung, Gewalt oder instabilen Bindungen. Wer als Kind lernen musste, dass Sicherheit jederzeit zerbrechen kann, entwickelt eine extreme Wachsamkeit. Diese alte Anpassung funktioniert später wie ein Fehlalarm: kleine Reize → große Gefühle.

3. Soziales Umfeld und Stress

Auch das Umfeld spielt eine Rolle. Wer in Beziehungen immer wieder Zurückweisung, Unklarheit oder sogar Missbrauch erlebt hat, reagiert empfindlicher auf soziale Trigger. In stressreichen Umgebungen (z. B. Schule, Arbeit, Partnerschaft) fehlt dann oft die „Pufferzone“ – ein neutrales Wort kann wie ein Angriff wirken.

4. Innere Dynamik

Zu den äußeren Faktoren kommt die innere Bewertung: Viele Menschen mit Borderline zweifeln stark an sich selbst, reagieren auf eigene Fehler mit massiver Selbstkritik oder Scham. Diese innere Stimme wirkt wie ein zusätzlicher Stressor – man kämpft nicht nur mit der Situation, sondern auch gegen sich selbst.

5. Das „emotionale Dreieck“

Borderline-Betroffene berichten oft von einem Kreislauf:

  1. Gefühlssensitivität (kleine Auslöser wirken stark),
  2. Impulsdurchbruch (Handlungen folgen blitzschnell auf Gefühle),
  3. Langsames Runterkommen (Beruhigung dauert ungewöhnlich lange).

Dieses Dreieck erklärt, warum Selbstregulation so schwer fällt – und warum klassische Ratschläge wie „entspann dich doch“ ins Leere laufen.

Weitere Informationen: S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (DGPPN/ÄZQ)


Akut–Notfall: Stresstoleranz-Skills

Wenn die Anspannung bei Borderline ansteigt, fühlt es sich an, als würde der Körper explodieren. Das Denken ist blockiert, alles schreit nach sofortiger Handlung. Genau hier setzen Stresstoleranz-Skills an: Sie wirken schnell, körpernah und verhindern, dass du impulsiv handelst.

Infografik im Querformat: Acht Akut-Skills zur Selbstregulation bei Borderline, in zwei Reihen mit Symbolen für TIPP, Grounding, Notfall-Box, IMPROVE, Kälte-Impuls, Ablenkung, Körperimpulse umlenken und Safe-Place.

1. TIPP-Skill: In Minuten runterfahren

  • Temperatur: Gesicht in kaltes Wasser tauchen oder Kühlpack auf die Wangen.
  • Intensive Bewegung: 30–90 Sekunden Seilspringen, Sprint oder Treppensteigen.
  • Paced Breathing: Vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus.
  • Muskelentspannung: Kurz alle Muskeln anspannen, dann lösen.

Beispiel: Nach einem Streit rast das Herz. Statt zurückzuschreien: Hände ins Eiswasser, dann eine Minute Treppenlaufen, danach bewusst atmen.

2. 5-4-3-2-1-Grounding: Zurück ins Jetzt

Lenkt dich aus der Gedankenspirale.

  • 5 Dinge sehen
  • 4 Dinge fühlen
  • 3 Dinge hören
  • 2 Dinge riechen
  • 1 Ding schmecken

Beispiel: Nachts liegst du wach und bist von Grübelgedanken gefangen. Du siehst die Lampe, spürst die Decke, hörst das Ticken der Uhr – Schritt für Schritt kommst du wieder in die Gegenwart.

3. Selbstberuhigung über die Sinne

Aktiviere deine Sinne mit gezielten Reizen. Lege dir eine Notfall-Box zurecht: Duftöl, Musik-Playlist, weicher Stoff, Foto eines sicheren Ortes, Süßigkeit.

Beispiel: Im Büro steigt die Anspannung. Du riechst kurz an deinem Duftöl und hörst einen Song aus deiner „Sicherheits-Playlist“. Der Körper reagiert spürbar.

4. IMPROVE den Moment

Eine Sammlung mentaler Mini-Strategien:

  • Imagination: Sicheren Ort vorstellen.
  • Meaning: Sinn finden („Ich halte das durch, weil ich es mir wert bin“).
  • Prayer/Bitte: Sich an etwas Größeres wenden.
  • Relaxation: Warme Dusche, Atemübung.
  • One thing: Nur eine Sache gleichzeitig.
  • Vacation: Kleine Auszeit, 10 Minuten raus.
  • Encouragement: Ermutigende Sätze zu sich selbst.

Beispiel: Während Panik in der U-Bahn → Augen schließen, sicheren Ort vorstellen, dabei ruhig atmen.

5. Kälte-Impuls: Eisspray oder Kühlpack

Der Körper reagiert sofort auf starke Temperaturreize. Ein Kühlpack oder Eisspray auf Nacken oder Handgelenke kann Spannung innerhalb weniger Sekunden senken.

Beispiel: Während einer aufgeladenen Diskussion → kurz die Hand auf einen Kühlpack legen. Die plötzliche Kälte lenkt die Aufmerksamkeit weg vom Impuls.

6. Intensive Ablenkung

Führe eine Tätigkeit aus, die deine volle Konzentration fordert: Sudoku, Kopfrechnen, Gedicht aufsagen, kompliziertes Lied mitsingen.

Beispiel: Der Drang zur Selbstverletzung steigt. Statt nachzugeben, rechnest du 7er-Reihen auf Zeit herunter. Nach zwei Minuten ist der Drang schwächer.

7. Körperimpulse umlenken

Setze die aufgestaute Energie gezielt ein: Boxsack, Liegestütze, Seilspringen. Der Körper bekommt Bewegung, ohne dass du dich verletzt.

Beispiel: Wut kocht hoch, die Hand will schon das Handy zertrümmern. Stattdessen 20 Kniebeugen – danach fühlst du dich spürbar ruhiger.

8. Safe-Place-Technik

Ein mentaler Rückzugsort: Stelle dir einen Ort so lebendig wie möglich vor – Geräusche, Gerüche, Farben, Berührungen. Je detaillierter, desto stärker der beruhigende Effekt.

Beispiel: Nach einem Flashback stellst du dir einen Strand vor: Wellenrauschen hören, Sand unter den Füßen spüren, Sonne im Gesicht. Die innere Anspannung weicht langsam.


Emotionsregulation im Alltag

Fotorealistische Szene im Querformat: Eine Frau sitzt ruhig in einem hellen Wohnzimmer, berührt ihre Brust und ihren Bauch, während sie achtsam atmet. Symbolbild für Grounding im Alltag.

Stresstoleranz-Skills sind wie ein Feuerlöscher: Sie helfen in der Krise, aber verhindern nicht, dass es erneut brennt. Damit die Abstände zwischen den Krisen größer werden, brauchst du präventive Skills – Werkzeuge, die deine Grundstimmung stabilisieren und dir mehr Kontrolle über Gefühle im Alltag geben.

1. PLEASE-Skills: Körper als Basis

Emotionen sind enger mit dem Körper verbunden, als viele glauben. Der DBT-Skill „PLEASE“ erinnert daran, die körperliche Basis zu pflegen:

  • Physical health: Körperliche Probleme ernst nehmen und behandeln lassen.
  • Lebensstil: Regelmäßige Mahlzeiten statt Hungern oder Überessen.
  • Enthaltsamkeit: Verzicht auf Alkohol oder Drogen, die die Stimmung schwanken lassen.
  • Schlaf: 7–9 Stunden erholsamer Schlaf.
  • Exercise: Bewegung, die Freude macht – Spaziergang, Tanzen, Radfahren.

Beispiel: Wer übernächtigt, hungrig und voller Koffein in einen Streit geht, kippt viel schneller. Mit geregeltem Schlaf, Bewegung und Essen sinkt die Grundanspannung.

2. Fakten prüfen: Realitätscheck für Gefühle

Starke Gefühle wirken oft absolut: „Es ist alles aus!“, „Niemand mag mich!“ Hier hilft es, die Fakten zu prüfen:

  • Was ist wirklich passiert?
  • Welche Beweise habe ich?
  • Gibt es alternative Erklärungen?
  • Passt die Intensität meines Gefühls zur Situation?

Beispiel: Dein Partner ruft nicht zurück. Gefühl: „Er hasst mich.“ Faktencheck: Er arbeitet gerade, er meldet sich sonst zuverlässig, er könnte im Meeting sein. Die Intensität sinkt, weil du mehrere Möglichkeiten siehst.

3. Gegen die Tendenz handeln (Opposite Action)

Gefühle lösen Handlungsimpulse aus. Manchmal passen diese Impulse – manchmal nicht. Wenn die Emotion übertreibt, hilfst du dir, indem du das Gegenteil des Impulses tust.

  • Angst → hingehen statt fliehen.
  • Scham → Blick heben statt senken.
  • Wut → ruhig sprechen statt schreien.

Beispiel: Du fühlst dich ausgeschlossen und willst absagen. Stattdessen gehst du trotzdem zum Treffen – und merkst: Die Angst war größer als die Realität.

4. Positive Erfahrungen aufbauen

Ein stabiler Alltag entsteht nicht von selbst – er wird gestaltet. Plane bewusst kleine positive Erlebnisse ein. Das müssen keine großen Abenteuer sein, sondern Dinge, die dich nähren: Musik hören, malen, Sport, ein gutes Gespräch.

  • Täglich 10–20 Minuten sind schon ein Baustein.
  • Schreibe dir eine Liste, damit du in schwachen Momenten nicht überlegen musst.

Beispiel: Jeden Morgen ein Lied hören, das dir Kraft gibt, statt sofort die Nachrichten zu checken. Das setzt einen anderen Ton für den Tag.

5. Achtsamkeit & der „Weise Geist“

Achtsamkeit bedeutet: Gefühle und Gedanken beobachten, ohne sofort zu reagieren. DBT unterscheidet drei Zustände:

  • Gefühlsgeist: Emotionen übernehmen das Steuer.
  • Vernunftgeist: Alles ist kühl, rational, nüchtern.
  • Weiser Geist: Balance aus beidem – fühlen, aber auch denken.

Übung: Beobachte 2 Minuten lang deinen Atem. Beschreibe dabei: „Einatmen – ausatmen.“ Wenn Gedanken auftauchen, nimm sie wahr und kehre zurück zum Atem.

Beispiel: Statt in einer Diskussion sofort zu platzen, nimmst du dir 10 Sekunden: Atmen, beschreiben, dann reden.

Infografik im Querformat: Übersicht eines 14-Tage-Plans mit Symbolen für Skills wie TIPP, Grounding, Schlaf, Bewegung, Faktencheck, Opposite Action, Achtsamkeit und DEAR MAN.

Lies auch: Selbstwirksamkeit stärken


Kommunikation als Selbstregulation

Viele Menschen mit Borderline erleben die stärksten Krisen in Beziehungen. Ein Wort zu viel, ein Blick zu wenig – und schon ist die Emotion auf 100. Klare Kommunikation ist hier ein Schlüssel: Sie schützt dich vor Missverständnissen, hilft dir, Bedürfnisse auszudrücken und deine Selbstachtung zu wahren.

1. DEAR MAN – Bedürfnisse klar äußern

Die Formel hilft dir, in Gesprächen zielgerichtet zu bleiben:

  • Describe: Beschreibe neutral, was passiert ist.
  • Express: Drücke aus, wie du dich fühlst.
  • Assert: Formuliere klar, was du möchtest.
  • Reinforce: Zeige, welchen Vorteil die andere Person hat.
  • Mindful: Bleib beim Thema, lass dich nicht ablenken.
  • Appear confident: Auftreten mit fester Stimme, ruhigem Blick.
  • Negotiate: Sei bereit, Kompromisse einzugehen.

Beispiel Partnerschaft:
„Wenn du unsere Verabredung erst kurz vorher absagst (D), bin ich verunsichert (E). Bitte sag mir früher Bescheid (A). Das hilft mir, besser zu planen (R). Können wir das so vereinbaren? (N)“

2. GIVE – Beziehung freundlich halten

Mit GIVE behältst du die Verbindung zur anderen Person, auch wenn du dich verletzt fühlst:

  • Gentle: Sanft bleiben, auch wenn du innerlich kochst.
  • Interested: Interesse zeigen, zuhören.
  • Validate: Gefühle des anderen anerkennen.
  • Easy manner: Locker bleiben, Humor einsetzen.

Beispiel Familie:
Deine Schwester sagt: „Du bist immer so empfindlich!“ Statt zurückzuschießen: „Ich weiß, dass es dir manchmal so vorkommt (V). Mir ist wichtig, dass du verstehst, dass ich Dinge sehr intensiv erlebe (E).“

3. FAST – Selbstachtung bewahren

FAST schützt dich davor, dich kleinzumachen oder übermäßig zu entschuldigen:

  • Fair: Sei fair – zu dir und zum anderen.
  • Apologies: Entschuldige dich nicht für deine Existenz oder Gefühle.
  • Stick to values: Bleib dir treu.
  • Truthful: Sag die Wahrheit, auch wenn es unbequem ist.

Beispiel Arbeit:
Der Chef sagt: „Warum haben Sie das noch nicht fertig?“ Statt sofortiger Rechtfertigung: „Ich arbeite gerade an zwei Projekten parallel (T). Ich plane, es bis morgen früh fertigzustellen (S).“ Du bleibst sachlich und respektvoll, ohne dich kleinzumachen.


4. Praktischer Tipp: Gesprächs-Checkliste

Bevor du in ein schwieriges Gespräch gehst, notiere dir:

  • Was will ich sagen?
  • Was ist mein wichtigster Punkt?
  • Was kann passieren, das mich aus dem Konzept bringt?
  • Welchen Skill setze ich dann ein?

So verhinderst du, dass du im Gefühlssturm alles vergisst, was du eigentlich sagen wolltest.


Kettenanalyse & Sicherheitsplan

Manchmal fühlt es sich an, als kämen Gefühle „aus dem Nichts“. Tatsächlich gibt es fast immer eine Kette von Auslösern und Reaktionen, die zur Eskalation führt. Mit einer Kettenanalyse machst du diese unsichtbaren Schritte sichtbar – und kannst an jedem Glied eingreifen, bevor es zum Kontrollverlust kommt.

1. Die Schritte der Kettenanalyse

Eine Kette besteht aus mehreren Gliedern:

  1. Auslöser – äußere Situation oder innerer Gedanke.
  2. Gedanken – was du dir in diesem Moment sagst.
  3. Gefühle – die aufkommenden Emotionen.
  4. Körper – spürbare Reaktionen (Herzrasen, Zittern).
  5. Impuls – Drang, etwas zu tun (z. B. schreien, schneiden, fliehen).
  6. Handlung – das, was du tatsächlich tust.
  7. Folge – kurzfristig (Erleichterung) und langfristig (Schuld, Konflikte).

2. Beispiel: Streit mit Partner

  • Auslöser: Partner schreibt „Bin später da“.
  • Gedanke: „Er hat keine Lust auf mich.“
  • Gefühl: Angst, Wut, Traurigkeit.
  • Körper: Herz rast, Hände zittern.
  • Impuls: Impulsive Nachricht tippen: „Dann bleib doch gleich weg!“
  • Handlung: Wütende Nachricht abschicken.
  • Folge: Streit eskaliert, Gefühl von Schuld und Einsamkeit.

3. Alternative Kette

An jedem Glied kannst du eingreifen:

  • Gedanke ändern: „Es könnte auch am Verkehr liegen.“
  • Gefühl regulieren: TIPP-Skill einsetzen.
  • Impuls umlenken: Statt Nachricht schreiben → 10 Kniebeugen.
  • Handlung neu wählen: Ruhig zurückschreiben: „Okay, danke fürs Bescheid geben.“
  • Folge: Beziehung bleibt stabil, du fühlst dich kompetenter.

4. Sicherheitsplan erstellen

Ein Sicherheitsplan ist wie ein Notfallkoffer für Krisen. Er sollte enthalten:

  • Frühwarnzeichen: Woran erkennst du, dass Spannung steigt? (z. B. Herzrasen, Grübeln, innere Unruhe).
  • Meine Skills: Welche 3 Skills funktionieren bei mir am besten? (z. B. Kälte + Musik + Grounding).
  • Notfallkontakte: Wen kann ich anrufen, wenn es allein nicht geht?
  • Professionelle Hilfe: Telefonnummer von Therapeut, Krisendienst, 112 für akute Notfälle.

Tipp: Schreib deinen Plan auf eine Karte und trag sie bei dir. Im Ernstfall ist er sofort greifbar.

Weitere Informationen: NICE-Guideline: Borderline – recognition & management


Mini-Übungsplan (14 Tage)

Tag 1 – TIPP-Skill testen
Probiere alle vier Varianten (Kälte, Bewegung, Atmung, Muskelentspannung) aus. Notiere, welche am schnellsten wirkt.
Ziel: Deinen persönlichen Favoriten finden.

Tag 2 – TIPP in Alltagssituation anwenden
Setze den Skill bewusst ein, wenn Anspannung aufkommt (z. B. Ärger, Nervosität).
Ziel: Routine entwickeln.


Tag 3 – Grounding-Übung trainieren
Übe 5-4-3-2-1 in einer ruhigen Situation, damit du es im Ernstfall schneller abrufen kannst.
Ziel: Sicherheit in der Anwendung gewinnen.

Tag 4 – Grounding bei Stress einsetzen
Wende die Technik bei realer Anspannung an (z. B. bevor du eine Mail liest, die dich triggert).
Ziel: Verbindung zwischen Technik und Entlastung stärken.


Tag 5 – PLEASE-Check
Überprüfe Schlaf, Ernährung, Bewegung, Substanzkonsum. Ändere eine Kleinigkeit (z. B. heute zu einer festen Zeit ins Bett).
Ziel: Körperliche Basis stabilisieren.

Tag 6 – Bitte anpassen
Führe eine kleine, gesunde Routine ein (z. B. 10 Minuten Spaziergang, Obst statt Snack).
Ziel: Neue Gewohnheiten etablieren.


Tag 7 – Fakten prüfen üben
Wähle eine typische Grübelsituation („Niemand mag mich“). Schreibe die Fakten auf. Gibt es Gegenbeweise?
Ziel: Emotion und Realität unterscheiden lernen.

Tag 8 – Faktenprüfung im Alltag
Setze die Technik in einer akuten Situation ein (z. B. wenn jemand nicht sofort zurückschreibt).
Ziel: Impulsivität bremsen.


Tag 9 – Opposite Action (Gegen die Tendenz handeln)
Mach eine Liste: Bei welchen Gefühlen passt das Gegenteil? (z. B. Scham → Blick heben). Wende es bewusst an.
Ziel: Handlungsfreiheit zurückgewinnen.

Tag 10 – Opposite Action trainieren
Setze die Methode bewusst zweimal ein (z. B. Angst: hingehen statt absagen).
Ziel: Mut durch Praxis.


Tag 11 – Achtsamkeit 2 Minuten
Beobachte nur deinen Atem. Wenn Gedanken auftauchen, kehre freundlich zurück.
Ziel: Konzentration auf den Moment.

Tag 12 – Achtsamkeit in Alltag integrieren
Übe achtsam essen oder gehen: bewusst schmecken, bewusst Schritte wahrnehmen.
Ziel: Achtsamkeit vom Übungsraum ins Leben holen.


Tag 13 – DEAR MAN vorbereiten
Schreib ein Mini-Skript für ein Anliegen (z. B. Partner soll früher Bescheid sagen). Lies es laut.
Ziel: Sicherheit gewinnen, bevor die Situation kommt.

Tag 14 – DEAR MAN anwenden + Kettenanalyse
Führe das Gespräch. Danach: Kettenanalyse schreiben – was lief gut, wo war es schwer?
Ziel: Erfolge sichtbar machen, Schwachpunkte erkennen.


Empowerment & die positiven Seiten von Borderline

Fotorealistische Szene im Querformat: Eine junge Frau malt lächelnd an einer Leinwand in einer hellen Wohnung. Symbolbild für Kreativität und die positiven Seiten von Borderline.

Borderline wird oft nur über Probleme und Krisen definiert. Doch Menschen mit Borderline besitzen auch Stärken, die im Alltag und in Beziehungen wertvoll sind. Selbstregulation bedeutet nicht, diese Eigenschaften abzuschneiden, sondern sie bewusst zu nutzen.

1. Kreativität und Ausdruckskraft

Viele Betroffene sind außergewöhnlich kreativ: Musik, Kunst, Schreiben oder Tanz dienen nicht nur als Ventil, sondern oft auch als Brücke zu anderen. Die Fähigkeit, innere Stürme in Worte oder Bilder zu verwandeln, ist eine besondere Ressource.

Beispiel: Ein Tagebuch, das nicht nur Emotionen festhält, sondern später als Liedtext oder Gedicht anderen Mut macht.


2. Tiefe Empathie

Gerade weil Menschen mit Borderline Gefühle so intensiv erleben, spüren sie oft auch sehr genau, wie es anderen geht. Diese Empathie ist eine Stärke in Freundschaften, Beziehungen und sozialen Berufen.

Beispiel: Eine Freundin ruft an und sagt „Mir geht’s okay“ – und du hörst sofort, dass es nicht stimmt. Dieses Einfühlungsvermögen kann Menschen auffangen.


3. Leidenschaft und Intensität

Wo andere lauwarm sind, können Borderline-Betroffene mit voller Energie dabei sein – in Beziehungen, Projekten oder Ideen. Diese Intensität schafft Inspiration und kann andere mitreißen.

Beispiel: Du setzt dich für ein Herzensthema ein und steckst dein Umfeld mit deiner Begeisterung an.


4. Mut zur Verletzlichkeit

Wer offen über Gefühle, Krisen und Verletzlichkeit spricht, bricht Tabus. Viele Betroffene werden dadurch zu wichtigen Stimmen in der Gesellschaft – für mehr Verständnis und Menschlichkeit.

Beispiel: Ein Post, in dem du ehrlich von einer schwierigen Phase erzählst, erreicht andere Betroffene mehr als jede Theorie.


5. Verbindung zwischen Leid und Stärke

Das, was oft wie Schwäche aussieht – extreme Sensibilität – ist gleichzeitig die Quelle für besondere Menschlichkeit. Wenn du lernst, deine Gefühle zu regulieren, bleiben nicht nur die Krisen, sondern auch diese besonderen Seiten erhalten.

Weitere Informationen: NIMH – Borderline Personality Disorder


Fazit

Selbstregulierung bei Borderline ist kein Willenstest, sondern ein Fertigkeitentraining. Mit Stresstoleranz-Skills, Emotionsregulation und klarer Kommunikation gewinnst du Stück für Stück Handlungsspielraum zurück. Entscheidend ist Regelmäßigkeit: üben, notieren, wiederholen – und dir Hilfe holen, wenn es allein nicht geht.

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